Die gestürzte Göttin

Die gestürzte Göttin - Tagebucheintrag vom 03.09.2017

 

Die Göttin stürzte sich von dem Sockel, den ich ihr erreichtet hatte. Den Sockel, auf den ich sie gestellt hatte.
Jahrzehntelang, fast ein Vierteljahrhundert, hatte sie mich jeden Tag, bei Wind und Wetter, bei Sonne und Regen, Sturm, Schnee und Eis mit ihrem versteinerten Lächeln angeschaut.
Meine eiskalte, riesenhafte, wunderschöne Marmorgöttin.

Da liegt sie also nun.

Einfach so nach hinten abgestürzt, liegt sie jetzt so da auf dem Rücken. Irgendwie scheint sie ganz entspannt ins Efeu unter den Koniferen, die ihre Zweige schützend über sie breiten, eingekuschelt.

Fast scheint es mir, sie ist es leid, immer auf ein Podest gestellt zu sein.
Ja, diese Botschaft empfange ich klar von ihr. So wie sie jetzt entspannt daliegt.

Es ist Zeit, die versteinerte Form zu verlassen.
Es ist Zeit, das Leben in seiner ganzen Fülle auszukosten.
Es ist Zeit, sich einfach in den Augenblick fallen zu lassen.

Zuerst hatte ich das Bedürfnis, das wirklich ganz, ganz dringende, unabdingbare Bedürfnis, die Göttin wieder auf ihr Podest zurück zu stellen.
Denn da gehört sie ja schließlich hin, oder?
So viele tausende von Jahren wurde uns gesagt, dass Gott/Göttin auf ein Podest erhoben gehört. Basta!
SIE hat doch mit uns armseligen Menschen nichts gemein.
Also hoch mit ihr, hinauf mit der Heiligen Schöpferkraft.
Auf ein Podest im Garten.
Auf ein Kreuz hoch oben in der Kirche.
Auf eine unerreichbare Wolke links oder gerne auch rechts neben der Milchstrasse.
Hauptsache ganz weit weg von uns Menschen.
Wie kann ich mir auch nur ansatzweise anmaßen, zu glauben, SIE sei ein Teil von mir, oder ich gar von IHR?

Genau jetzt aber höre ich eine leise Stimme.
Vernehme ein leises Mauzen.
Meine Katze hat sich gerade ein kuscheliges Plätzchen gesucht. Sie hat sich direkt neben der Göttin ins Efeu gekuschelt. Noch einmal räkelt sie sich, um dann selig einzuschlafen.

Und so liegen jetzt in meiner Gartenecke unter den schützenden Koniferen auf dem dichten Efeu meine gestürzte Göttin und meine schlafende, mystische, schwarze Katze einträchtig nebeneinander.

Ich lausche und verstehe die Botschaft, die sanft durch die Zweige schwingt.
Die Göttin hat sich nie von mir getrennt.
Ich, mit meinen eigenen, wie fest in Marmor gegossenen Überzeugungen und ererbten und anerzogenen Konditionierungen habe die Göttin auf den Sockel gestellt. Habe SIE erhoben, von mir entfernt, von mir getrennt. 
Ich habe mir nicht gestattet, IHR nahe zu sein.

Die Zeit ist zurückgekehrt. So wie sie immer zurückkehrt.
Die Zeit ist jetzt, die Marmorschichten aufzubrechen.
Die Zeit ist jetzt, das Eis in den Herzen zu schmelzen.

Diese falschen Kleider, die niemals wirklich meine waren, ich lege sie jetzt ab. Ich mache mich nackt vor IHR, ziehe diesen künstlichen Plastiktand aus und werfe ihn ins Feuer. Gemeinsam mit den alten Konditionierungen und Glaubenssätzen.
Sie hatten mir gedient. Dafür danke ich aus tiefstem Herzen.
Jetzt haben sie ausgedient.

Die Energien der Schuld, Scham, Angst und Manipulation, die seit Jahrtausenden auf einen Sockel gestellt, erhöht wurden, um Macht auszuüben, sie haben keine Macht mehr über mich.

Die GÖTTIN hat sich von ihrem Sockel gestürzt. 
Sie zeigt mir dadurch, dass sie, genau wie ich, auch stürzen kann und Blessuren davon tragen kann. 
Die erhöhte, versteinerte Göttin zeigt mir ihr wahres, lebendes, liebendes Gesicht. 
In dieser Nähe zu ihr erkenne ich, SIE ist ein Teil von mir.
Ich erkenne, dass das Leben hier und jetzt stattfindet.
Dieses Leben, das so kostbar ist.

Ja, meine Göttin zeigt sich nicht mehr erhöht und herausgehoben.
Sie will, dass ich mich zu IHR lege, ins Efeu unter den Koniferen. 
Hier kann ich ihr in die Augen schauen. 
Und genau hier endet mein Weg von Schuld, Scham, Angst und Manipulation.

Ich lege mich neben die Göttin, lasse mich wie SIE ins köstliche Nichtstun fallen.
In diesen Heiligen Raum, in dem alles geschieht ohne etwas zu tun, denn es ist ja bereits.
Ich sehe in IHRE Augen und erkenne das große Mysterium des Lebens, auch wenn ich es nicht verstehe.

Nein, SIE hat sich nie von mir getrennt.

Und hier beginnt mein Weg der Schöpfung.
Mein Weg Seite an Seite, Hüfte an Hüfte mit der GÖTTIN. 

 

 

© Carola Mariella Renné, 09.2017

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