Maria Magdalena - Filmrezension

MariaMagdalena
Foto: pixabay

„Wie wird es sich wohl anfühlen, das Himmelreich Gottes?“

 

„Maria, es wird sein wie ein einziges Senfkorn,

gegeben in die Hand einer einzelnen Frau, die es in ihrem Garten in die Erde pflanzt.

Hier wird es wachsen und große  Zweige treiben, in deren Schatten die Vögel nisten und sich von seinen Früchten nähren werden.“

 

 Mit diesen abgewandelten Worten (Markus 4,30-32) beginnt und endet der Film.

 

 

„Ich werde gehen und ich werde gehört werden!“

 

Maria, Frau, Apostelin, sanftmütig, in der reinen Liebe, mitfühlend, vergebend, demütig, gnadenvoll ~ dabei stark, unbeirrbar, im Vertrauen, sich hingebend.

Die Botschaft Jesu mit dem Herzen empfangend.

„Es geht an keiner Stelle darum, gegen etwas zu kämpfen.“

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Dieser Film besticht für mich durch seine klare, ruhige, leise Art. Seinen unter der Oberfläche wirkenden Botschaften.

 

Wer in Erwartung, eines der üblichen Bibel-Oster-Historien-Spektakel oder gar einer Maria Magdalena, die als kämpferische Amazone das Patriachat von der Leinwand fegt, diesen Film sehen möchte, der wird aus meiner Sicht zu tiefst enttäuscht sein.

Der Film verzichtet auf spektakuläre Szenen, Farben, Töne.

Wird er mit dem Gefühl durchlebt, sanft, schwingend,  mitfühlend, empfangend.... dann öffnet sich die ganze Bandbreite seiner Schönheit. Dann taucht die Botschaft aus dem Dunkel des Vergessens der Jahrtausende wieder auf.

 

Dieser Film zeigt die  teils kargen, sandigen, steinigen und hügeligen  Gegenden Galiläas mit ihren Fischer-/ und Felsdörfern. Üppig sprießende Vegetation, leuchtende Farben vermisst man hier. Diese erdigen, sandigen, zurückhaltenden Farben ziehen sich durch den gesamten Film und werden durch ebensolche  Leinenkleidung der Protagonisten noch verstärkt.

 

Die Botschaften des Films werden auf subtile, leise Art vermittelt. 

Eine sanfte Berührung der Hände, ein Blick der Augen. Eine kurze, beinahe beiläufige Frage.

Dieses Gesamtszenario entfaltet seine Gesamtwirkung eher auf einer tieferen Ebene.

„Wer Ohren hat zu hören, der höre“ (Thomasevangelium).

Bin ich bereit, die Botschaft zu schauen, sehe ich diesen Film mit offenem Herzen, dann können diese Momente wie heilsamer Balsam in die Tiefe tropfen und dort ihre Wirkung entfalten.

 

Joaquin Phoenix  erscheint mir als Jesus einen Tick zu alt. Das hat mich während des Ablaufs einige Male irritiert.

Davon abgesehen spielt Joaquin Phoenix  hier jedoch sehr gelungen  einen zutiefst menschlichen Jesus, ganz weit abseits der Verklärung durch die Kirche.

Jesus ist hier ein spirituell Suchenden und Findender, der zeitweise voller Furcht seinen eigenen Visionen gegenüber steht.

Von seinen männlichen Anhängern aber werden seine Lehren vom Himmelreich Gottes, das kommen wird, als Aufruf zum Aufstand fehlinterpretiert.

Insbesondere Judas (Tahar Rahim), der in der tiefen Trauer um den Verlust von Frau und Tochter lebt, die durch die Schuld der römischen Besatzer ums Leben kamen, verfolgt diese Vision in völliger Verkennung der Realität.

 

Die Wunder, die Jesus vollbringt, werden entsprechend der ruhigen, feinsinnige Botschaften vermittelnden Erzählweise, in unspektakulärer Weise dargestellt. Es zeigt sich hier der Heiler Jesus, der in tiefer Hingabe und Liebe sein Wirken an den Menschen vornimmt.

Wer eine Mutter in der Fürsorge um ihr krankes Kind erlebt hat, weiß um diesen typischen Ausdruck.

 

Sein weiteres Auftreten, auch in Momenten, in denen er von der Menge bedrängt wird, ist fast durchgängig gewaltfrei.

Als Jesus jedoch im Tempel Zeuge wird, wie die Menschen sich durch den Kauf von Blutopfern von ihrer Schuld freikaufen wollen, wird die Szene das erste Mal richtig farbig. Sie zeigt die über und über blutgetränkten Metzger, die geschlachteten, bluttropfenden Schafe.

Jesus verzweifelt in diesem Moment ob der Ignoranz und Überheblichkeit der Priester. Sein ganzer Zorn, seine Wut darüber, dass die Menschen scheinbar nichts verstanden haben, finden ihren Ausdruck in einem ungeheuren emotionalen Ausbruch. Er rastet aus und zerschlägt die Schlachtbänke in seiner Wut. Für mich ein durchaus menschliches Verhalten, das nichts mit einem verklärten "Gottessohn" gemein hat.

 

Maria (Rooney Mara) wird zu Beginn des Films vorgestellt als Hebamme, einer sehr schönen Metapher, wie ich finde.  

Bereits in ihrem ersten Auftritt fordert sie Lea während des schwierigen Geburtsvorgangs immer wieder auf:

„Sieh‘ mir in die Augen, schau mich an“ Sie schafft so eine tiefe, mitfühlende Verbundenheit.

Und in diesen ihren Augen findet sich ein unglaubliches Potential, dass sich durch den ganzen Film ziehen wird.

 

Maria  wird dargestellt als  eine sehr schlanke, zierliche Person, was aber nicht täuschen sollte. Ihre innere Kraft und Stärke ist für mich von Anfang an so sehr spürbar.

Während des gesamten Film habe ich es geliebt, in ihr Gesicht, in ihre Augen, die immer wieder in Großaufnahme gezeigt werden, zu sehen.

Sie strahlt eine warme, reine, unverfälschte Liebe aus.

 

Wohlwissend, dass sie aus der Familie ausgeschlossen werden wird, folgt sie Jesus unbeirrt.

 

Von den Jüngern wird sie nur ungern in den Kreis aufgenommen.

Beim ersten Nachtlager in den kargen Bergen, spekulieren diese über die womöglich beabsichtigte Invasion Jerusalems durch Jesus.

Maria sagt hierzu nur einen Satz: “Ich wusste nicht, dass wir Soldaten sind“.

 

Danach sucht sie die Gesellschaft Jesu, der abseits der Gruppe sitzt.

 

In diesen Momenten, in denen sie allein mit Jesus ist, wird der Film ganz leise, ganz still.

Es wirkt nur der Augenkontakt, manchmal eine absichtslose Körperberührung zwischen beiden.

Ich kann eine sehr tiefe Verbundenheit zwischen beiden spüren. Eine reine, klare, absichtslose Liebe. Insofern stellt sich mir nicht die Frage, ob die beiden ein Paar waren, Kinder gezeugt haben.

Es spielt keine Rolle für die Botschaft.

 

Maria spielt ihr innere Stärke und ihr Verständnis der Botschaft Jesu gegenüber den Jüngern nicht aus.

Diese, seine Wahrheit, die nicht mit dem Verstand begriffen werden kann und der die Männer völlig hilflos gegenüber stehen.

 

Aber sie macht „ihr Ding“ und praktiziert ihre Botschaft, die auch die Botschaft Jesu ist.

So etwa, als sie, von Jesus beauftragt, Menschen die Botschaft zu bringen, mit Petrus ein Felsendorf betritt, das von den Römern gebrandschatzt wurde. Petrus will sofort weiter  „…sie können uns nicht mehr folgen“

Maria aber ignoriert ihn völlig, holt Wasser für die noch lebenden Schwerstverletzten und  steht diesen in unendlicher Liebe bei ihren letzten Atemzügen bei. Was selbst Petrus als Akt der Gnade anerkannt.

 

Auf Jesus Frage während  einer Predigt in Kanaa vor den dortigen Frauen antwortet sie ihm: „Sind wir denn so verschieden von den Männern, dass du nicht weißt, was du uns sagen sollst?“

Dieses verneinend  erteilt er Maria nach der Predigt den Auftrag „Sei du meine Hand und segne sie“.

 

Danach folgt eine der für mich berührensten Szenen des Films, als Maria die Frauen des Dorfes im Jordan tauft.

„Ich taufe dich mit Wasser, mit Feuer und mit Licht“….

Sie hat ihre Rolle als Apostelin übernommen.

 

Diese Stellung bekräftigt Jesus nochmals mit Worten, während  sie ihm die Füße salbt.

An seiner Seite nimmt sie Platz zum letzten gemeinsamen Abendmahl.

 

Nach der Kreuzigung, während der sie ihren tiefsten Schmerz durchlebt,  nimmt Maria unter dem Kreuz dennoch einfach nur still die Hände von Judas und schaut ihm tief in die Augen. Ein Akt der Vergebung.

 

Als Maria den Jüngern die Botschaft  der Auferstehung verkündet, wird sie von Petrus unwürdig behandelt: „Sprich nie wieder in seinem Namen. Alle Männer in diesem Raum werden gehen und das Wort verkünden, werden der Fels sein, auf dem seine Kirche gebaut wird“

„Dein Wort! …. Wie lebt es sich mit soviel Hass im Herzen?

 

Ich werde nicht hier bleiben und schweigen.

Ich werde gehen und ich werde gehört werden!“

 

 

Ein mich sehr bewegender Film. Eine mich zu tiefst berührende Frau mit ihrer Botschaft.

 

Maria Magdalena - ich höre dich!

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